Lebten Alt und Jung früher ganz selbstverständlich in unmittelbarer Nähe zusammen, liegen zwischen den Wohnorten der verschiedenen Generationen einer Familie heute nicht selten viele hundert Kilometer. Großeltern und deren Enkelkinder – sofern es überhaupt welche gibt – sehen sich in unseren Tagen oft nur selten. Dabei hat gerade das Miteinander von Menschen verschiedenen Alters viele positive Aspekte, von denen alle Seiten profitieren. Mit sogenannten Miet- oder Leihgroßeltern-Projekten, die wir im einzelnen in den kommenden Wochen vorstellen werden, kommen jetzt auch Senioren ohne eigene oder nahe Enkelkinder in den Genuss dieser so wichtigen Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens.
Generationenmix gegen Einsamkeit im Alter

Ohne Frage: Die Begriffe “Leihoma” oder “Leihopa” muten auf den ersten Blick ein wenig merkwürdig an. Doch die Idee hinter dieser zunehmend beliebten Form des Miteinanders zwischen Alt und Jung geht voll auf. So ist es das Ziel derartiger Projekte, einsame alte Menschen mit jungen Eltern und vor allem mit deren Kindern in Fällen zusammenzubringen, wo keine Großeltern vorhanden sind oder diese weit weg wohnen. Von solchen Angeboten profitieren alle Seiten: die Kinder, weil sie “Oma” oder “Opa” bekommen, die Eltern, weil ihnen auch mal “Zeit zu zweit” ermöglicht wird und ganz besonders die alten Menschen, weil Kinder nun mal Sonne und Lebendigkeit ins Leben bringen.

Agenturen, die derartige Programme anbieten, achten dabei in aller Regel auf eine möglichst geringe Entfernung zwischen den Wohnorten der Beteiligten: Wenn Sie also als Leihoma oder Leihopa ein Kind betreuen möchten, brauchen Sie keine weiten Wege zurückzulegen. Gleiches gilt natürlich auch, wenn das Leihenkelkind zu Ihnen kommt.

Überdies können Sie selbst bestimmen, wie viel Zeit Sie mit der jungen Generation verbringen möchten. Von “nahezu täglich” über “einmal die Woche” bis hin zu “gelegentlich” ist so ziemlich alles möglich. Allerdings sollte eine gewisse Kontinuität gewährleistet sein, denn nur so kann eine wirklich tiefgehende Beziehung aufgebaut werden.

Noch einmal neu die Welt entdecken

Als Mietgroßeltern sind Sie für die Ihnen anvertrauten Kinder da wie echte Großeltern. Sie verbringen Zeit miteinander, helfen den Kleinen bei ihren spannenden Weltentdeckungen, werden ihr Vertrauter und stehen im Idealfall auch zur Verfügung, wenn die Kinder Kümmernisse haben oder krank sind. Oft spricht das Kind Sie schon nach wenigen Treffen mit “Oma” oder “Opa” an – auch, wenn Sie dies nicht im biologischen Sinne sind.

Ob Brett- oder Kartenspiele, Plätzchenbacken, Basteln oder Spazierengehen – wie Sie die gemeinsame Zeit füllen, bleibt weitestgehend Ihnen überlassen und kann grundsätzlich in vielen verschiedenen Formen geschehen. Selbstverständlich sollten Sie sich hier mit den Eltern abstimmen, doch zumeist sind diese sehr dankbar für kreative Vorschläge, die ihren Kindern gefallen.

Hinsichtlich des Erziehungsstils ist es allerdings ratsam, stets im Vorfeld zu prüfen, ob die Ansichten der Eltern mit den Ihren tatsächlich harmonieren. Ist dies nicht der Fall, kann es sinnvoll sein, sich lieber nach einer anderen Familie umzuschauen, der Sie Ihren Rat und Ihre Hilfe anbieten können.
Nur Mut: Versuchen Sie sich als Leihoma oder Leihopa!

Viele Senioren möchten etwas von dem zurückgeben, was sie selbst im Leben erfahren und gelernt haben. Diese Empfindung ist völlig normal und richtig. Als Leihgroßeltern eröffnen sich Ihnen hier viele Möglichkeiten. Wenn Sie die nötige Kraft besitzen und Spaß daran haben, können Sie sich oftmals sehr weit in den Alltag der Kinder und ihrer Eltern integrieren. Gerade, wenn Sie eben erst aus dem Erwerbsleben ausgestiegen sind und Ihnen die mit dem Rentnerdasein nicht selten einhergehende Strukturlosigkeit zu schaffen macht, bekommen Sie so wieder einen klar geregelten Tagesablauf.

Und: Beim Umgang mit Kindern sind Sie wieder mittendrin im Leben. Insofern ist diese Form der Freizeitbeschäftigung ein hervorragendes Rezept gegen Einsamkeit im Alter, denn Kinder bringen Frische, Lebendigkeit und Sonne in Ihr Leben.

 

Bildquellenangabe: rudolf ortner / pixelio.de

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